Wer „Microsoft Cloud“ hört, denkt meist an Outlook und Teams. Microsoft bietet aber eine ganze Reihe von Clouddiensten an: für die Zusammenarbeit, für die Anmeldung, für die Verwaltung von Geräten, für Server und für virtuelle Arbeitsplätze. Die Namen ähneln sich, die Lizenzen überschneiden sich, und nicht jeder Dienst passt zu jedem Unternehmen.
Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Microsoft-Clouddienste für kleine und mittlere Unternehmen ein: was sie leisten, zu welchem Servicemodell sie gehören und was Sie trotz Cloud selbst verantworten. Welche Ihrer Anwendungen überhaupt in die Cloud gehören, beschreibt unser Ratgeber Cloud für Unternehmen. Wie die Dienste im Unternehmen zusammenhängen und wofür jeder zuständig ist, beschreibt unser Beitrag Microsoft für Unternehmen.
Drei Servicemodelle: IaaS, PaaS und SaaS
Clouddienste unterscheiden sich vor allem darin, wie viel der Anbieter betreibt und wie viel bei Ihnen bleibt. Microsoft unterscheidet dafür drei Modelle (Microsoft Learn: Gemeinsame Verantwortung in der Cloud):
- Infrastructure as a Service (IaaS): Sie mieten Rechenleistung, Speicher und Netz. Virtuelle Maschinen, Betriebssysteme und Anwendungen verwalten Sie selbst. Beispiel: virtuelle Maschinen in Azure.
- Platform as a Service (PaaS): Sie stellen Anwendungen bereit, ohne sich um virtuelle Maschinen oder Betriebssysteme zu kümmern. Beispiele: Azure App Service oder Azure SQL-Datenbank. Wann sich für SQL Server ein verwalteter Dienst lohnt, beschreibt unser Beitrag Managed SQL Server oder Eigenbetrieb.
- Software as a Service (SaaS): Sie nutzen fertige Anwendungen über das Internet. Beispiele: Microsoft 365 und Dynamics 365.
Viele Lösungen kombinieren mehrere Modelle. Ein Unternehmen nutzt zum Beispiel Microsoft 365 für E-Mail und Dateien und betreibt zusätzlich eine Fachanwendung auf einer virtuellen Maschine in Azure.
Die wichtigsten Microsoft-Clouddienste im Überblick
Microsoft 365: Arbeitsplatz und Zusammenarbeit
Microsoft 365 verbindet Programme wie Word, Excel und Outlook mit Onlinediensten, etwa für geschäftliche E-Mail und Cloudspeicher. Welche Dienste genau enthalten sind, hängt vom gewählten Plan ab. Microsoft 365 ist ein SaaS-Angebot: Microsoft betreibt Server und Anwendungen, Sie verwalten Benutzer, Einstellungen und Daten. Für kleinere Unternehmen gibt es die Business-Pläne Basic, Standard und Premium. Sie sind laut Microsoft für Organisationen mit bis zu 300 Benutzern gedacht; die Grenze gilt für alle Business-Pläne zusammen (Microsoft Learn: Häufig gestellte Fragen zu Microsoft 365 Business Premium). Was der Plan Business Premium zusätzlich enthält, erklärt unser Beitrag Microsoft 365 Business Premium. Wie sich die Business-Pläne unterscheiden, vergleicht unser Beitrag Microsoft 365 Business-Pläne im Vergleich.
Microsoft Entra ID: Anmeldung und Zugriff
Microsoft Entra ID ist der cloudbasierte Dienst für Identitäten und Zugriffe. Er prüft Anmeldungen und setzt Zugriffsregeln für Benutzer, Geräte und Anwendungen durch. Wer Microsoft 365 oder Azure abonniert, nutzt Entra ID bereits: Jeder Microsoft-365-Mandant ist automatisch auch ein Entra-Mandant (Microsoft Learn: Was ist Microsoft Entra?). Wie Sie diesen Mandanten sauber aufbauen, beschreibt unser Ratgeber Microsoft 365 Tenant.
Microsoft Intune: Geräte verwalten
Intune ist ein cloudbasierter Dienst zur Verwaltung von Endgeräten und Apps. Damit lassen sich Geräte registrieren, einrichten, aktualisieren und schützen, ohne dass dafür ein eigener Server im Haus nötig ist. Unterstützt werden unter anderem Windows, macOS, iOS/iPadOS und Android (Microsoft Learn: Was ist Microsoft Intune?). Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Was ist Microsoft Intune?
Microsoft Azure: Server, Speicher und Plattformdienste
Azure ist die Cloudplattform von Microsoft für Infrastruktur und Plattformdienste. Hier laufen virtuelle Server, Speicher, Datenbanken und Netzwerke. Bei der nutzungsbasierten Bezahlung in Azure zahlen Sie für die Ressourcen, die Sie tatsächlich nutzen (Microsoft Azure: Nutzungsbasierte Bezahlung). Die monatlichen Kosten schwanken deshalb mit der Nutzung, und eine Kostenplanung vor dem Start lohnt sich. Wie Azure abrechnet und wie Sie Kosten im Blick behalten, erklärt unser Ratgeber Microsoft Azure Kosten.
Windows 365 und Azure Virtual Desktop: Arbeitsplätze aus der Cloud
Für virtuelle Arbeitsplätze gibt es zwei Wege. Windows 365 stellt jedem Benutzer einen eigenen Cloud-PC bereit und wird pro Benutzer zu einem festen Monatspreis lizenziert. Die Variante Windows 365 Business ist für Unternehmen mit bis zu 300 Arbeitsplätzen gedacht (Microsoft Learn: Was ist Windows 365?). Azure Virtual Desktop ist ein Dienst zur Desktop- und Anwendungsvirtualisierung in Azure. Er bietet mehr Gestaltungsspielraum, etwa mehrere Benutzer auf einer virtuellen Maschine oder einzelne bereitgestellte Anwendungen, verlangt aber auch mehr Planung und Betrieb (Microsoft Learn: Was ist Azure Virtual Desktop?).
Welcher Dienst für welche Aufgabe?
| Aufgabe | Microsoft-Dienst | Modell |
|---|---|---|
| E-Mail, Dateien, Besprechungen | Microsoft 365 | SaaS |
| Anmeldung, Zugriffsregeln | Microsoft Entra ID | Clouddienst für Identitäten |
| Laptops und Smartphones verwalten | Microsoft Intune | Clouddienst für Endgeräte |
| Fachanwendung auf eigenem Server | Azure (virtuelle Maschinen) | IaaS |
| Datenbank oder Webanwendung ohne eigenen Server | Azure (Plattformdienste) | PaaS |
| Virtueller Arbeitsplatz | Windows 365 oder Azure Virtual Desktop | SaaS bzw. Dienst in Azure |
Die Tabelle ist eine Orientierung. Welche Kombination passt, hängt von Ihren Anwendungen, Ihren Lizenzen und Ihrer Arbeitsweise ab.
Was Microsoft übernimmt und was bei Ihnen bleibt
In der Cloud teilen sich Anbieter und Kunde die Verantwortung. Microsoft betreibt die Rechenzentren, die physischen Server und das physische Netz. Bei SaaS und PaaS kümmert sich Microsoft zusätzlich um Betriebssysteme und Plattformsoftware.
Laut Microsoft bleiben einige Aufgaben aber unabhängig vom Modell beim Kunden (Microsoft Learn: Gemeinsame Verantwortung in der Cloud):
- Daten: Einstufung, Schutz und Verschlüsselungsentscheidungen.
- Endgeräte: der Schutz der Laptops, Desktops und Smartphones, mit denen auf die Dienste zugegriffen wird.
- Konten: Anlegen, Pflegen und Entfernen von Benutzerkonten.
- Zugriffe: Rollen, Mehr-Faktor-Anmeldung und Regeln für den bedingten Zugriff.
Für die Praxis heißt das: Auch wenn Microsoft 365 „aus der Cloud kommt“, muss jemand Konten pflegen, Freigaben prüfen und Sicherheitseinstellungen aktuell halten. Worauf es dabei ankommt, beschreibt unser Ratgeber Microsoft 365 Sicherheit. Wie Sie den laufenden Betrieb vertraglich regeln, lesen Sie im Beitrag Managed Services Cloud.
Wo liegen die Daten? Die EU-Datengrenze
Für viele Unternehmen ist der Speicherort der Daten eine wichtige Frage. Microsoft hat sich mit der EU-Datengrenze verpflichtet, Kundendaten und personenbezogene Daten für seine Unternehmens-Onlinedienste innerhalb der EU und der EFTA-Staaten zu speichern und zu verarbeiten. Das betrifft unter anderem Azure, Dynamics 365, Power Platform und Microsoft 365 (Microsoft Learn: Was ist die EU-Datengrenze?).
Drei Einschränkungen sollten Sie kennen:
- Microsoft nennt selbst begrenzte Umstände, unter denen Daten weiterhin außerhalb der EU-Datengrenze übertragen werden.
- Bei Microsoft 365 gilt die EU-Datengrenze für Kunden, deren Registrierungsland in der EU oder EFTA liegt. Kunden mit Multi-Geo-Funktionen fallen nicht darunter.
- Bei Azure gilt sie für regionale Dienste, die Sie in einer Region innerhalb der EU-Datengrenze bereitstellen. Die Wahl der Region liegt also bei Ihnen.
Die EU-Datengrenze ersetzt keine eigene Datenschutzprüfung. Sie ist aber ein wichtiger Baustein für die Dokumentation.
So gehen Sie bei der Auswahl vor
Wir empfehlen, nicht mit einem Produkt zu beginnen, sondern mit Ihren Aufgaben:
- Bestand aufnehmen: Welche Anwendungen, Server und Lizenzen nutzen Sie heute? Was läuft lokal, was schon in der Cloud?
- Aufgaben zuordnen: Welche Aufgabe soll welcher Dienst übernehmen? Die Tabelle oben hilft bei der ersten Einordnung.
- Lizenzen prüfen: Manche Dienste sind in bestehenden Microsoft-365-Plänen schon enthalten. Prüfen Sie das vor einem Zukauf.
- Verantwortung festlegen: Wer pflegt Konten, Geräte und Einstellungen? Wer prüft Berichte und Warnungen?
- Schrittweise umstellen: Beginnen Sie mit einem abgegrenzten Bereich, zum Beispiel E-Mail und Dateien, und erweitern Sie danach.
Einen ausführlichen Fahrplan für den Umzug finden Sie in unserem Ratgeber Cloud-Migration im Mittelstand.
Microsoft-Clouddienste mit der GSL Groß GmbH
Die GSL Groß GmbH betreut kleine und mittelständische Unternehmen in Rheinland-Pfalz und Hessen von Idar-Oberstein aus; im Raum Darmstadt arbeiten wir dafür mit einem Partnersystemhaus zusammen. Was wir rund um Microsoft 365 und Azure anbieten, lesen Sie auf unserer Seite zu Cloud-Lösungen. Wenn Sie den laufenden Betrieb abgeben möchten, finden Sie Details auf unserer Seite Managed Services – IT zum Festpreis.
Sie möchten wissen, welche Microsoft-Clouddienste zu Ihrem Unternehmen passen und welche Lizenzen Sie bereits haben? Sprechen Sie uns an.